Motto 50 +1: „Das Feiern lassen wir uns nicht nehmen!“

Eigentlich wollte der Heimatverein Neubruchhausen im Jahr 2020 sein 50-jähriges Bestehen feiern. Eigentlich. Denn dann kam die Corona-Pandemie, und alle Pläne waren plötzlich über den Haufen geworfen. Ein Interview mit dem Heimatverein-Vorsitzenden Hans-Hermann „Hermi“ Schrader.

Hermi, ihr hattet vom Heimatverein Neubruchhausen zahlreiche Aktionen für 2020 geplant, um das 50-jährige Bestehen angemessen zu begehen. Mit der Corona-Pandemie war das alles hinfällig.

Freut sich über das gute Ansehen des Heimatvereins im Dorf und darüber hinaus: Vorsitzender Hans-Hermann Schrader

Hans-Hermann Schrader: Das kann man wohl sagen. Wir mussten natürlich erst mal alles absagen. Als der Lockdown dann aufgehoben wurde, haben wir im Vorstand diskutiert, was wir machen wollen und können. Wir haben uns dann aber dazu entschieden – nicht zuletzt auch mit Blick auf unsere älteren Dorfbewohnerinnen und -bewohner – auf Nummer sicher zu gehen und fast alle Aktivitäten auf 2021 zu verschieben.

Das heißt auch: Alle Feiern sind ins nächste Jahr verschoben?

Genau. Wir haben schon ein Motto dafür: „Heimatverein 50 + 1“! Ich verspreche, sobald wir – möglicherweise wohl erst nach einer Impfung – alle wieder auf der sicheren Seite sind, wird gefeiert! Das lassen wir uns nicht nehmen. Zum Beispiel ist für den letzten August-Freitag 2021 wieder unser Open Air-Konzert an der Alten Oberförsterei geplant. Die CCR Revival Band, die uns schon mal eingeheizt hat, hatte für diesen Tag sogar schon mehrere Anfragen. Aber ich habe da nicht lockergelassen, und sie haben für Neubruchhausen wieder zugesagt. Der Band hatte es bei uns nämlich ausgesprochen gut gefallen.

„Wir haben ein gutes Ansehen im Dorf und darüber hinaus.“

Und die Jubiläumsfeier?

Die findet natürlich auch als „50+1“ statt. Das einzige, was wir nicht mehr hinbekommen haben, ist, dass auch der Kreisheimattag zeitgleich in Neubruchhausen stattfindet. Wir wollten das ja als gemeinsame Veranstaltung 2020 über die Bühne gehen lassen. Das hätte uns reichlich Leute ins Dorf gebracht. Weil der Kreisheimattag aber „auf lange Sicht“ geplant wird, ist 2021 nun eine andere Gemeinde dran. Ich bin mir sicher, dass wir unser Zelt aber auch so vollkriegen.

Zumindest zum Jahresanfang 2020 ist ja noch einiges gelaufen ….

Eine der letzten Veranstaltungen 2020 des Heimatvereins war die Winterwanderung – mit Rekordbeteiligung.

… ja, wir konnten unsere Winterwanderung mit einer Rekordbeteiligung machen, 51 Personen! Im Mai haben wir einen „Blumengruß zum Muttertag“ verteilt, das ist auch toll angekommen bei unseren Mitgliedern. Wir werden diesen Herbst wieder Blumenzwiebeln verteilen und im Ort pflanzen. Und die Winterwanderung könnten wir auch erst im Februar oder März 2021 machen, vielleicht hat sich dann die Lage in Sachen Corona schon etwas entspannt. Falls nicht, gibt es einen leckeren Eintopf nach der Wanderung unter freiem Himmel.

Du hast den Vorsitz des Heimatvereins im Herbst 2017 übernommen. Bist du zufrieden mit dem, was ihr seither auf die Beine gestellt habt?

Doch, durchaus. Natürlich kann man sich noch mehr vorstellen – der Kopf ist ja immer schneller als die Hände. Aber vergessen wir nicht, dass sich alle Mitstreiterinnen und Mitstreiter im Heimatverein ehrenamtlich engagieren und viele davon noch einen Fulltime-Job haben. Das gilt auch für mich. Anfang November 2021 gehe ich in den wohlverdienten Ruhestand, dann kann und möchte ich persönlich sicherlich noch mehr machen.

Wo und wie siehst Du Moment den Heimatverein?

Der Verein steht mit über 90 Mitgliedern im Moment solide da, Tendenz steigend. Wir haben ein gutes Ansehen im Dorf und darüber hinaus. Erst neulich habe ich für den Heimatverein Neubruchhausen eine Spende über 400 € von der „Schwerathleten-Sparte“ des TSV Bassum überreicht bekommen. Die Begründung für die Spende war: „Ihr macht tolle Sachen, unter anderem das Open-Air-Konzert, solch ein Engagement wollen wir unterstützen.“ Auch im Anschluss an die zahlreichen Gästeführungen, die Gerda Lüdeke vom Heimatverein stets wunderbar in Neubruchhausen organisiert, gibt es die ein oder andere Spende von beeindruckten Gästen. Meine persönlichen Besuche bei Mitgliederinnen und Mitgliedern des Heimatsvereins, die besondere Jubiläen feiern, kommen auch gut an. Alle freuen sich immer sehr über die Glückwünsche, einen kleinen Schnack und über den Präsentkorb, den ich dann vorbeibringe.

Ist der Begriff ‚Heimatverein‘ nicht etwas angestaubt?

Nein, das sehe ich nicht so. „Heimat“ ist etwas Positives. Neubruchhausen und Umgebung sind wunderschön, es gibt im Ort tolle Vereine und viele nette Leute – Jung und Alt – es macht Spaß und bringt Freude, sich für die Gemeinschaft, für Neubruchhausen, einzusetzen. Und dann entsteht auch automatisch so etwas wie ein „Heimatgefühl“ und „Heimat“.

„Eine konkrete Idee, die mir vorschwebt, ist ein Backhaus.“

Wenn Du nach vorne schaust: Was will der Heimatverein noch erreichen?

Also erst mal muss ich sagen, dass wir ja nicht der einzige Verein im Ort sind. Engagement findet an vielen Stellen statt. In Neubruchhausen hat sich in den vergangenen Jahren viel getan, es entwickelt sich weiter. Gastronomisch und touristisch sind wir mittlerweile ausgezeichnet erschlossen, wir haben tolle Wanderwege und eine wunderbare Natur, die es zu erhalten gilt, der „Bildungscampus“ mit Hort, Kindergarten, Grundschule und Sporthalle ist sehr anerkannt. Wir als Heimatverein helfen gerne mit, Aktivitäten im Ort noch besser zu vernetzen und zu vermarkten, auf vielen Ebenen mit anderen an einem Strang ziehen. Selbstverständlich lassen wir uns als Heimatverein auch weiterhin tolle Sachen einfallen. Eine konkrete Idee, die mir vorschwebt, ist ein Backhaus an der Alten Oberförsterei – auch als zusätzlicher Treff im Dorf. Denn der Mühlenverein arbeitet ja intensiv daran, dass eines Tages in der Wassermühle wieder auf traditionelle Art und Weise Korn zu Mehl gemahlen wird. Wäre es nicht wunderschön, wenn wir daraus unser eigenes ‚Neenbrokser Bio-Brot‘ backen könnten – und vieles mehr? Ich freue mich auf die nächsten Jahre!

Interview und Fotos: Kai Uwe Bohn

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